18. Oktober 2019

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"Satan was a Lady" - Hörspiel von Jörg Buttgereit

"Doris Wishman ist die kleinste Grande Dame des Kinos", habe ich einmal auf critic.de geschrieben (und zwar über "Double Agent", Wishmans Film über eine Agentin, die ihre weit jenseits von gängigen Russ-Meyer-Koordinaten anzusiedelnden Brüste als tödliche Waffen einsetzt).

Jörg Buttgereit hingegen ist ziemlich groß, was ihn nicht daran gehindert hat, für den WDR eine liebevolle Hommage an die schlagfertige Exploitation-Kino-Meisterin zu produzieren: "Satan was a Lady" heißt das Resultat, das nicht nur mit schönen, hübsch snarkien Originalaufnahmen von Wishman aufwarten kann, sondern auch mit dem für seine Rolle Mr. Prince in Wishmans Nudistenfilm "Nackt im Sommerwind" berühmten Sprecher Christian Brückner, der dem einen oder der anderen darüber hinaus vielleicht sogar noch als Sprecher von Robert de Niro bekannt ist. (mp3)



Wenige Monate vor ihrem Tod im August 2002 war Wishman zu Gast bei Conan O'Brien, um ihren letzten Film "Dildo Heaven" zu promoten.


Bonus: Viel Freude machen auch die tollen Filmposter zu Wishmans Filmen.

17. Oktober 2019

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Die Tote von Beverly Hills (Michael Pfleghar, BRD 1964)

Sehr schön und eigentlich längst überfällig: Der von Michael Pfleghar inszenierte, von Hansjürgen Pohland produzierte "Die Tote von Beverly Hills" ist nun endlich wieder zugänglich (hier im Stream und dort auf DVD). Lange war dieser sonderbare Querschläger des westdeutschen Kinos nur eingefleischten Filmarchäologen ein Begriff - und das obwohl sich die Besetzung mit Klausjürgen Wussow, Heideline Weiss, Wolfgang Neuss und Horst Frank eigentlich sogar ziemlich sehen lassen kann.


In diesem Film, der sehr davon handelt, welches Bild sich Männer von Frauen machen und welches Bild sich Frauen davon machen, was sich Männer für ein Bild von ihnen machen, gibt es eine Szene, die mich immer umhaut: Heideline Weiss steht da - in voller Kleidung - in einem Swimming Pool in Beverly Hills, steht Model für Horst Frank - ebenfalls im voller Montur, ebenfalls im Wasser, Staffelei inklusive. Er malt da, es gibt ein kleineres Hin und Her zwischen dem beiden, schließlich haut er das Bild ins Wasser, die Farben lösen sich, färben das Wasser, beide beginnen zu knutschen, Kleidung, Farbe, Körper, Wasser. Ich glaube, im BRD-Kino der 60er gibt es nur wenig sonderbarere, von Irrsinn und Poesie geküsstere Momente.

Überhaupt, die Farben. In meiner Besprechung im Tagesspiegel schreibe ich: "Papas Kino minus piefige Mehlspeisigkeit plus Neuer Deutscher Film minus Oberseminar.Zwischen diesen Polen des BRD-Kinos wirkt der Film wie ein irrlichternder Solitär mit Freude am Spiel mit filmischen Formen und Tonfällen. Mal erinnert er an eine ausgelassene osteuropäische Komödie, dann wieder an die Nouvelle Vague, schließlich an die lässigen Pop-Art-Komödie jener Zeit. Dass er als einer der schönsten deutschen Farbfilme der 60er über weite Strecken in Schwarz-Weiß gedreht ist, gehört dabei zum Programm, ständig Erwartungen zu unterlaufen."

Im Text erwähne ich auch die Spiegel-Reportage von 1964 über die Dreharbeiten - im Archiv kann man sie nachlesen.



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Bohren & der Club of Gore: Patchouli Blue - bald.

Die Mülheimer Darkjazzer Bohren & der Club of Gore funktionieren mittlerweile gut eingetaktet nach Fünfjahresplan - alle halbe Dekade ein neues Album, eine Band, mit der man in Fünf-Jahres-Schritten alt werden kann. Zwar erscheint das gestern angekündigte Album "Patchouli Blues" erst am 10. Januar 2020 und somit rein der Jahreszahl nach sechs Jahre nach "Piano Nights" (bei dem ich mich noch immer frage, ob der allererste Ton eine Kate-Bush-Hommage ist), aber das erste Stück daraus gibt es schon heute:


Was dabei einmal mehr auffällt: Bohren & der Club of Gore klingen zwar immer gleich, doch auf jedem Album anders. Jedes Album hat eine individuelle Klangcharakteristik, die es von den anderen Bohren-Alben unterscheidet.

"Patchouli Blue" verspricht der Kostprobe nach zu urteilen (und mehr noch als das vor drei Jahren veröffentlichte Stück "Der Angler") ein Solisten-Album. Weckten Alben wie "Sunset Mission" oder "Dolores" noch den Eindruck eines geschlossenen, auf sich eingetakteten Klangkörpers, treten die Instrumente in diesem Stück nun klarer denn je aus dem Ambiente hervor, lösen sich voneinander. Schon der klar herauskonturierte, hochauflösende Saxofon-Sound, anhand dessen man meint, das Instrument in seiner materiellen Gestalt fast schon ertasten zu können, macht dies von Anfang an unmissverständlich klar. Waren Alben wie "Midnight Radio" oder "Black Earth" noch lange, monotone Autofahrten ins dunkle Herz der Nacht, wirkt "Sollen es doch alle wissen" geradezu spielerisch in seinen Melodieläufen, tanzt auf der Stelle und schwingt sich auch mal Richtung Himmel. Das Stück verspricht den Soundtrack einer Nacht, die man hinter sich weiß, die in einer Hotelbar endet, wo die Band noch spielt, deren letztes Stück den Morgen begrüßt.

Kurz: Ich bin gespannt. Der Weg mit Bohren & der Club of Gore war lang und im Januar 2020 wird die nächste Marke erreicht.

24. September 2019

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"Auferstanden aus Platinen. Die Heimcomputerszene der DDR" - Doku auf 3sat



Meinen C64 bekam ich im Februar 1989, nach dem ersten Gymnasialzeugnis, das mir die dafür zur Bedingung gestellten guten Leistungen bescheinigte. Danach war nichts mehr wie es war - meine Zeugnisse wurden schlechter, meine Spiel- und Programmierkenntnisse (wenngleich letztere nur in BASIC) besser. Allerdings saß ich im Westen - wenn auch geradezu in Sichtweite zum Eisernen Vorhang, der in Wahrheit allerdings eher ein ziemlich gut bewachter Zaun war.

Volker Strübing hingegen saß jenseits dieses Zauns, in der DDR, jenem Land, von dem es hieß, es gebe dort keine Bananen. Und somit wohl erst recht nicht jene Computer, an denen ich rumdaddelte und in die ich mit einem Lötkolben Reset-Taster einbaute. Irrtum: Auch im Osten wurde zu dieser Zeit gedaddelt, gebastelt, programmiert und gehackt, wie Strübings liebevoll gemachte 3sat-Doku "Auferstanden aus Platinen" zeigt. Ein wehmütiger, durchaus ein wenig nostalgischer, dabei aber auch sympathisch selbstironischer Rückblick auf eine Zeit, die heute unendlich weit weg zu liegen scheint - und auf ihre Mängel, ihre Idiosynkrasien, ihre Widersprüchen, ihre bizarren Schwarzmärkte und Preisentwicklungen.

Bis zum September 2020 ist dieses Stück Zeitgeschichte in der Mediathek zu sehen.

Im Kompressor, dem Magazin für Popkultur im Deutschlandfunk Kultur, gab es anlässlich dieser Doku ein halbstündiges Special, das die Perspektive auf die Komputerei des Ostens noch ein wenig erweitert (mp3-Direktlink).



(Bild: ZDF/Sabine Streckhardt)



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"Maryam. Kein Nachruf für euch" - neues Hörspiel von Dietmar Dath



Der Bayerische Rundfunk hat das neue Hörspiel von FAZ-Redakteur, Schriftsteller, Polit-Aktivist, Theaterautor... von Tausendsassa Dietmar Dath online gestellt: "Maryam. Kein Nachruf für euch" handelt von einer Journalistin und Autorin, die mit ihrer Zeitung und ihrem Verlag aneckt, als sie einen Nachruf, bzw. ein Buch über die 2017 gestorbene, im Iran geborene Mathematikerin Maryam Mirzahkani schreiben soll und damit auf die Widersprüche zwischen persönlicher, emotionaler Leidenschaft und den Bedürfnissen des wörterverwertenden Betriebs stößt.

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