14. Oktober 2020

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Klaus Lemke wird 80 - das Dossier

Gestern feierte Klaus Lemke seinen 80. Geburtstag - herzlichen Glückwunsch! Würdigungen gibt es in SZ(€), FAZ und Tagesspiegel. Beim Filmportal des Deutschen Filmmuseums gibt es einen Abriss über Leben und Werk.

Die Fernseh- und Radiosender haben sich glücklicherweise ein Herz gefasst und viel Material online gestellt. Auch Raritäten kommen dabei wieder ans Tageslicht. Lange nicht greifbar war zum Beispiel Lemkes wunderbare Kretschmer-Komödie "Die Sweethearts", die noch einmal schlagend unter Beweis stellt, dass in Deutschland, allen Mackersprüchen zum Trotz, kein männlicher Regisseur Frauen so wunderbar unmackerig in Szene setzt wie Lemke.

Auch die Kretschmer/Fierek-Komödie "Der Allerletzte" ist nun wieder zu sehen. Weniger rar, aber deswegen keinen Deut weniger gut ist der Kretschmer/Fierek-Klassiker schlechthin, "Amore". Aus der späten Phase zu sehen ist "Träum weiter, Julia" mit Timo Jacobs, der, wie auch Henning Gronkowski, das andere männliche Lemke-Gesicht der späteren Jahre, mittlerweile selbst im Lemke-Stil Filme dreht. Außerdem gibt es als Premiere Lemkes neuen Film "Ein Callgirl für Geister", den man als loses Addendum zu "Neue Götter in der Maxvorstadt" begreifen kann. Sein neuester Film ist das allerdings nicht: "Bad Boy Lemke" feierte gerade Premiere und im Coronasommer drehte er in der Hauptstadt "Berlin Izza Bitch".

Dass das ZDF, seit Jahren Lemkes Haussender, für den Jubilar relativ wenig Sendeplatz freiräumt, wundert ein bisschen. Immerhin: Mit "Sylvie" hat das Zweite einen von Lemkes allerschönsten Filmen online gestellt - und im Gegensatz zu Lemkes eigenem, leicht ins Psychedelische spielenden Youtube-Upload sogar in historisch wohl einigermaßen gültiger Farbgebung, so wie auch dieser großartige Ausschnitt:

Im Radio ist für Lemke der Bayerische Rundfunk generalzuständig. In München ging es für ihn damals los. Wieder online gestellt hat der Sender ein tolles, halbstündiges Gespräch mit Lemke aus dem Jahr 2012 (mp3):

Ebenfalls aus dem Archiv nach oben geholt hat der Sender Friedemann Beyers einstündiges Feature "Coole Coups" (mp3):

Oben erwähnte ich bereits Lemkes "Sylvie"-Upload. Auch zwei weitere schöne Filme hat er auf Youtube geladen. Seinen lange Zeit kaum sichtbaren, aber wunderschön freien "Liebe so schön wie Liebe" ...


... und aus dem Kretschmer/Fierek-Zyklus den ziemlich niedlichen "Ein komischer Heiliger":

Mehr Lemke natürlich hier im Blog, im Lemke-Archiv.

23. September 2020

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Radiofeatures zum Terror von Rechts

Der Terror des NSU ist keine Ausnahmeerscheinung in der Geschichte der Bundesrepublik, sondern steht in einer Tradition. Doch anders als die Taten der RAF ist diese Terrorgeschichte nie ins allgemeine gesellschaftliche Gedächtnis vorgedrungen und daher auch kaum referenzierbar - weder im Alltag, noch in den Behörden, in den Medien oder bei der Polizei.

Was das bedeutet: Bei jeder Tat immer wieder neues Erstaunen darüber, die Rede vom historischen Einschnitt, von einer Zäsur - "nicht für möglich gehalten". Wer so spricht, betreibt aktive Verdrängungsarbeit, kaschiert die Kontinuität des rechtsextremen Terrors und rückt dessen Opfer und Überlebende in die Unsichtbarkeit. "Wir haben ja von nichts gewusst", diesen Satz hört man im Hinblick auf deutsche Geschichte zu oft. Für eine Haltung, die sich dadurch auszeichnet, nichts wissen zu wollen und auch andere am besten nichts wissen zu lassen, ist er naheliegend.

(Bild: Muenih, Wikipedia/gemeinfrei)

Aber: Es ändert sich etwas. Zumindest in Ansätzen. Der 40. Jahrestag des rechtsextremen Anschlags aufs Oktoberfest im Jahr 1980 etwa bietet Anlass zur Rückschau. Bei dem Anschlag starben Gabriele Deutsch, Robert Gmeinwieser, Axel Hirsch, Markus Hölzl, Paul Lux, Franz Schiele, Ignaz Platzer, Ilona Platzer, Angela Schüttrigkeit, Errol Vere-Hodges, Ernst Vestner und Beate Werner. Der Attentäter selbst kam ebenfalls ums Leben.

2. September 2020

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Michael Rother wird 70.


Der große Romantiker und Impressionist des Krautrocks (ich verstehe den Begriff explizit positiv!) wird 70 - Happy Birthday! Michael Rother hat an einigen der schönsten Schallplatten mitgewirkt, die in der BRD veröffentlicht wurden. Ein neues Album erscheint am 4. September (Video, bei der BBC stellt Iggy Pop das Album vor). Ein paar Links:

dpa-Würdigung in der Berliner Zeitung | Träumereien im ZeitMagazin | Interview (2019) auf Radio Eins | Interview (2010) im Tagesspiegel | Interview (2019) auf SpOn | Besprechung der Harmonia-Box in der taz

Eine Kurz-Retro:

31. August 2020

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Milano: Il Clan Dei Calabresi / The Last Desperate Hours (Giorgio Stegani, Italien 1974)

(Spoiler)

Drei Jahre zuvor drehte Stegani den flirrend schönen, melodramatisch durchwobenen "Sommer voller Zärtlichkeit" mit Ornella Muti, der vor zwei Jahren in Frankfurt bei Terza Visione lief. Der melodramatische Exzess ist geblieben, Romantik und Erotik bleiben auf der Strecke. Hier wird tief in den Morast der Misogynie gegriffen - und man ahnt, spürt, fürchtet: Das ist durchaus Ausdruck der Zeit, nicht im Sinne von "so tickten die Leute damals halt", sondern der gesellschaftlichen Realität damals wirklich nachempfunden. Die erste Szene: Massenvergewaltigung. Dann Straßenstrich, der nächste Übergriff. Stegani zeigt von Anfang an eine bösartige, gefährliche Welt.

Das mag einerseits mit Blick auf die zynische Schaulust des historischen Bahnhofskinos ein Zugeständnis sein, es fehlt dem Film aber auch nicht an sozialem Bewusstsein - manchmal schlägt es voll zu, mal bleibt es Markierung. Sehr eindeutig spiegelt Stegani die Schattenwelt des Verbrechens als einen Spiegel der Gesellschaft. Die im Italien um 1970 eine zum Zerbersten angespannte war.


29. August 2020

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Lange Nacht über Ennio Morricone

Fast drei Stunden über Ennio Morricone: Dlf Kultur widmet dem im Juli verstorbenen Komponisten eine "Lange Nacht" (geschrieben von Olaf Karnik und Volker Zander). Mit dabei u.a. der Kölner Singer-Songwriter Eric Pfeil, der Filmgelehrte Olaf Möller und der Regisseur Dominik Graf.

Da die Folgen der Sendereihe aus lizenzrechtlichen Gründen meist nur eine Woche online bleiben, empfiehlt sich ein Download fürs Privatarchiv (mp3).



Wer zu spät kommt, bekommt immerhin noch das Skript der Sendung als PDF. Weiterer Bonus: Beim Sender steht derzeit auch Sven Ahnerts einstündiges WDR-Feature von 2018 über Morricone online (mp3).

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