16. Mai 2018

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Der Hund von Blackwood Castle (Alfred Vohrer, BRD 1968)

Alfred Vohrer geht ins Bauerntheater: Nicht nur wegen des rustikalen Settings einer Spelunke im britischen Moor, die sich als einer der zentralen Hauptaustragungsorte des wegen der Laufnummer 25 von der Rialto als großer Jubiläums-Wallace in die Kinos gebrachten Krimis. Auch die prominente Position, die Siegfried Schürenberg als sanft vertrottelter Scotland-Yard-Chef Sir John diesmal einnehmen darf, und die sich nach einem anfangs gemächlichem Erzähltempo zusehends turbulent überschlagende Handlung erinnern eher an Schwänke aus dem rustikaleren Spektrum des Bühnenbetriebs als an den urban angestrichenen Neo-Grusel zumal der schwarzweißen Wallace-Krimis der Rialto-Frühphase.

27. April 2018

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Jörg Buttgereits Hörspiel "Summer of Hate" als Download

Nach einer Reihe lustig-trashiger Hörspiele findet Jörg Buttgereit mit seinem neuen WDR-Hörspiel "Summer of Hate" zurück zur düster-ernsten Form seiner frühen Hörspiele "Sexy Sushi" oder "Ed Gein Superstar". Im Mittelpunkt stehen die Morde der Manson-Family im Sommer 1969 mit dem die naiven Träume der US-Hippies endgültig ihre Unschuld verloren haben.



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Hörspiel: Christoph Schlingensiefs "Rocky Dutschke '68" als Download

Zufallsfund: Vor einigen Wochen lief Christoph Schlingensiefs 1997 entstandenes Hörspiel "Rocky Dutschke '68" beim WDR. Derzeit kann man das Hörspiel beim Sender noch nachhören und runterladen.



"In einer furiosen Collage zertrümmert Christoph Schlingensief Bilder und Formeln einer überständigen Epoche", heißt es auf Schlingensiefs offizieller Website dazu. "Dutschke geht in diesem Hörspiel nochmal auf die große Reise nach West-Berlin; er stürmt die Kaufhäuser und verfängt sich in den ideologischen Schlingen des Kapitalismus. Währenddessen lassen es sich die zwölf Redakteure im Studio gut gehen, Wolf Biermann steppt, und Heiner Müller offenbart im Interview Details über Lustgewinn und sein "inneres Säuern."

Das Hörspiel basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück, das Schlingensief 1996 an der Berliner Volksbühne aufführte. Das Stück markierte damals "den Durchbruch des eigentlichen Schlingensief-Theaters, das Form und Inhalt gefunden hat", verrät die Schlingensief-Website. Hier gibt es Fotos von der Bühnenproduktion.

15. Juni 2017

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Filmkritik: Wonder Woman (Patty Jenkins, USA 2017)



Blockbuster-Kino darf wieder Spaß machen, hieß es vergangene Woche an dieser Stelle über "Die Mumie". Auch "Wonder Woman", der mittlerweile vierte Teil des hastig zusammengeschusterten "Shared Universe", mit dem der Comicverlag DC auf die Kino-Fernsehserie des Konkurrenten Marvel reichlich verspätet reagiert, könnte ohne weiteres unter diesem Motto stehen. Nachdem mit den ersten beiden Franchise-Filmen "Man of Steel" und "Batman v Superman: Dawn of Justice" der ganz große Opernschwulst männlichen Leidens an der Welt auf die Leinwand kam und mit "Suicide Squad" der arg verhauene Versuch, das DC-Comicuniversum mit streetsmartem Pop-Zynismus anzureichern, fühlt sich "Wonder Woman" wie eine Besinnung aufs Wesentliche an: Zurück zu den Ursprüngen, zurück zum Kino-Spaß.



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"Fantastic Planet" von René Laloux in der arte-Mediathek

Den hervorragenden Animationsfilmklassiker "Fantastic Planet" von René Laloux gibt es noch drei Tage in der arte-Mediathek. Der als französisch-tschechische Koproduktion entstandene Science-Fiction-Film atmet deutlich den Geist der Gegenkultur der 70er Jahre und richtet sich eindeutig an Erwachsene.


Neben Roland Topors Mitarbeit am Drehbuch ist auch der hitzig-fiebrige Soundtrack von Alain Goraguer eine Erwähnung wert.

2. Juni 2017

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Radio: 2. Juni 1967 - der Tod von Benno Ohnesorg.

"1968" begann in Deutschland am 2. Juni 1967 - mit dem tödlichen Schuss auf Benno Ohnesorg. Die Radiosender erinnern mit einigen Beiträgen an diese Zäsur der deutschen Nachkriegsgeschichte:

In der Sendung "Radiowissen" des Bayerischen Rundfunks arbeitet Michael Zametzer die Geschichte Ohnesorgs als "tragische Ikone der 68er" bündig auf:



Als Co-Produktion von RBB, NDR und BR entstand Margot Overaths Feature "Chronik einer Hinrichtung" (Sendungsmanuskript als pdf), das auf die Details des Tathergangs und dessen Aufarbeitung eingeht.

24. Mai 2017

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Musik zur Nacht: Italienischer Jazz von Sonor Music Edition

Das italienische Label Sonor Music Editions ist auf musikarchäologische Grabungen im Bereich Italo-Soundtracks und Library Music spezialisiert - beherztes Stöbern auf der Bandcamp-Seite des Labels ist sehr empfohlen, dort harren einige Perlen abseits der bekannten Namen ihrer Entdeckung. Auch auf Soundcloud ist das Label präsent - dort gibt es diesen sehr angenehmen Mix mit italienischer Jazzmusik:




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Lektüre: Annie Leibovitz, Kiss, Akzelerationismus und mehr.

(via) Annie Leibovitz hat für Vanity Fair die Dreharbeiten zu "Star Wars: The Last Jedi" besucht. Herausgekommen ist dabei "the definitive preview". Fanboy-Gold.

Dazu passend: Auf The Quietus forscht sich Ned Raggett durch das frühe "erweiterte Universum" von "Star Wars".

16. Mai 2017

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Filmkritik: 1917 - Der wahre Oktober (Katrin Rothe, Deutschland/Schweiz 2017)



Hundert Jahre ist es her, dass die bolschewistische Revolution das globale Machtgefüge verschoben und die politischen Konstellationen des 20. Jahrhunderts entscheidend geprägt hat. Ein Ereignis aus einer völlig anderen, heute kaum mehr zugänglichen Zeit.

Mit “1917 - Der wahre Oktober” wagt sich Katrin Rothe nun an eine Rekonstruktion dieses bewegten Jahres zwischen den zwei russischen Revolutionen im Februar und im Oktober. Das Besondere dabei: Den politischen Turbulenzen nähert sie sich über das eigentlich obsolete Mittel der Legetricktechnik, bei der ausgeschnittene Objekte und Flächen zum Leben erweckt werden. Und sie nimmt das Jahr 1917 aus Perspektive der Künstler unterschiedlichster Milieus in den Blick - auf Grundlage von Tagebüchern und Memoiren. Zentrale Frage: Was wissen wir von der russischen Revolution? Und woher speist sich dieses Wissen? Aus den Filmen Sergei Eisensteins?

Das Ergebnis: Eine Art Brecht’sche Verfremdung, die Erkenntnis stiftet. Nicht die Behauptung unmittelbarer Zeugenschaft einschneidender Ereignisse steht im Vordergrund, sondern die Vermittlung als solche - auch, weil Rothe den Schaffensprozess immer wieder kenntlich macht. Die haptische Ästhetik und der Rückgriff auf Filmarchiv-Szenen lassen die historische Distanz zum Revolutionsjahr 1917 intakt.

Hier und da ist “1917” vielleicht etwas zu didaktisch geraten. Auch bleibt fraglich, ob es wirklich Not tat, die Passagen des Dichters Majakowski mit einer Human Beat Box zu unterlegen. Doch davon abgesehen bestrickt “1917” wie eine Art animierte Graphic Novel als fantasievolle Feier der Möglichkeiten einer etwas in Vergessenheit geratenen Tricktechnik und löst verschüttetes Geschichtswissen aus den Ketten verstaubter Buchregalmetter. Als mittelbare Erfahrung wird es damit wieder zugänglich.

Ab 11. Mai 2017 im Kino.


1917 - Der wahre Oktober - Deutschland/Schweiz 2016 - Regie/Buch/Kamera: Katrin Rothe - Laufzeit: ca.90 Minuten. Verleih: Maxim