19. November 2018

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Kosmischer Läufer Vol. 4



Auch in der DDR gab es Krautrock: So stieß der Tontechniker Martin R. Zeichnete in den frühen 70ern in Radiosendungen aus dem Westen auf die neuartige Rock- und Experimentalmusik, an der sich manche seiner Zeitgenossen jenseits des antifaschistischen Schutzwalls versuchten. Insbesondere der treibende Rhythmus hatte es Zeichnete angetan. Er witterte darin Potenzial: Könnten sich mit dieser Musik nicht vielleicht sogar die Trainingseinheiten der DDR-Sportler optimieren lassen?

13. Oktober 2018

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Liebe, so schön wie Liebe (Klaus Lemke, Deutschland 1971)



In Großaufnahme kullern Sylvie (Sylvie Winter) die schönsten Tränen des deutschen Kinos der 70er Jahre über die Wange. Nach zwei Jahren ist Schluss mit ihrem Freund, weil der zu viel Klavier spielt. Wenig später heiratet er eine von Sylvies Freundinnen. Die Hochzeitsgesellschaft tanzt im Grünen, lacht ausgelassen, obskures Fußballwissen macht die Runde. Was macht Sylvie? Weint im Gras.



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Suspiria (Dario Argento, Italien 1977)

Anlässlich des anstehenden deutschen Kinostarts von Luca Guadagninos Remake von Dario Argentos "Suspiria" stelle ich gerne nochmal meinen ursprünglich 2015 in der taz erschienenen Text über das Original online.





„Suzy Bannion hatte sich entschlossen, ihre Ballettausbildung in der berühmtesten Tanzschule Europas abzuschließen. Ihre Wahl fiel auf die Tanzakademie in Freiburg. Eines Tages, um neun Uhr morgens, ließ sie den Kennedy-Airport in New York hinter sich. Sie erreichte München um zehn Uhr abends.“

Es sind nur wenige, über den schwarzen Vorspann eingesprochene Worte, die in diese Erzählwelt einführen. Fast kunstlos schweben sie zwischen Sachlichkeit und geheimnisvoller Verheißung und ebnen damit doch den Weg für einen Film, der für Freunde des manischen Genrekinos italienischer Provenienz eine Art Heiligen Gral darstellt.

9. Oktober 2018

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Martin Sorrondeguys Instagram

In den 90ern sang Martin Sorrondeguy für Los Crudos, die mit ihrem angepissten Hochgeschwindigkeits-Hardcore-Punk Rassismus, Homophobie und Sexismus den Mittelfinger zeigten. Heute spielt er in der Queercore-Band Limp Wrist und betreibt das Label Lengua Armada Discos. Auf Instagram postet er nicht nur aktuelle Fotos, sondern auch ziemlich fantastische Aufnahmen aus den 80ern und 90ern, die das Lebensgefühl dieser Subkultur damals wunderbar wiedergeben:




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Radiofeatures: Pop History.

Eine Reflexion linker Utopien in 30 Jahren Techno (BR, 2018)
Florian Fricke erzählt im Zündfunk keine nostalgische Techno-Geschichte der Szene-Insider (dafür ist, mit wechselndem Erfolg, der Podcast "Tausend Tage Techno" zuständig), sondern befasst sich mit Protagonisten am Rande, etwa mit "Speiche, stolzer Ost-Berliner, einst Fußball-Hooligan und Punk, Mitbegründer vom Eimer,kurz nach der Wende einer der ersten Clubs in Berlin Mitte in einem besetzten Haus. Oder die von Rob, 1949 in Südafrika geboren, politischer Aktivist gegen die Apartheid unter der Regierung der burischen Nationalpartei. Heute ist er der wahrscheinlich älteste Techno-DJ Berlins wenn nicht weit darüber hinaus", wie es im Programmtext heißt. (mp3)



Raw Power: Die Iggy-Pop-Story (WDR, 2017)
Dank DLF-Wiederholung wieder online: die hörspiel-artig erzählte Geschichte von Iggy Pop, wie er wurde, was er ist, wie er in Berlin seine erste eigene Wohnung im tristen BRD-Barock bezog und dann zum Popstar wurde. Und natürlich, wie ihm von Jäki Eldorado beim Konzert ins Bein gebissen wurde: Das Foto davon ging (zumindest in Deutschland...) um die Welt und stellt eine Initialzündung von Punk hierzulande dar, wie Schorsch Kamerun im Feature sagt. (mp3)



Today your love, tomorrow the world - Der Mythos Ramones (WDR, 2011)
Ebenfalls wichtig für die Punk-Explosion: Die Ramones. Veit König erzählt im WDR ihre Geschichte - unter den Testimonal-Stiftern unter anderem: Jörg Buttgereit. (mp3)



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Amore (Klaus Lemke, BR Deutschland 1978)

Klaus Lemke ist der Bad Boy des deutschen Films. Der Mann mit den breitbeinigen Sprüchen gegen das Förderkino, der letzte Film-Guerilla, der Kiez-Rebell, der seine White-Trash-Diven im Nachtleben aufgabelt und dann in kleinen Impro-Filmen fürs ZDF zu großen Kinostars erklärt. Der Mann, der „Rocker“ gedreht hat.

Kennt man, stimmt ja auch alles. Nur gibt es eben nicht nur diesen einen Klaus Lemke, sondern viele Lemkes. Den poetischen, den verkifften, den hippen, den zärtlichen, den witzigen, nicht zuletzt: den Cleo-Kretschmer-Lemke.

8. Oktober 2018

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Derrick, Veteranen & mehr: Gute Radiofeatures

Die heile Welt des Verbrechens: Stephan Derrick und die BRD (RBB Kulturradio, 2018)
"Derrick" ist German Hauntology. Ein Blick in die alte BRD und deren "ästhetisches Inventar", wie es in diesem sehr guten Radiofeature von Rafael Jové an einer Stelle passend heißt. Der Titel "Die heile Welt des Verbrechens" sollte nicht abschrecken: Der vor allem von Unkundigen in die Welt gesetzte Mythos, Derricks Kriminalfälle spielten weltabgerückt in einer überschaubaren, biederen Welt, wird hier nicht bedient, bzw. er wird aufgefächert: Es gibt einen frühen, es gibt einen späten "Derrick", es gibt Abgründe, Leerstellen - und, sehr richtig beobachtet, mitunter "Twin Peaks"-artige Trance-Meditationen in Sachen TV-Weirdness. Dazu passend: Ein Gespräch mit Horst Tappert aus dem Jahr 1988, gefunden als Podcast bei der Deutschen Welle. (mp3)



Der einsame Tod des Herrn D. (Deutschlandfunk, 2017)
Ein Plattenbau in Ost-Berlin: Fünf Jahre lang lag ein älterer Herr tot in seinem Sessel - von Nachbarn und Behörden blieb der Tod unbemerkt. Johannes Nichelmann begibt sich auf Spurensuche: Ein intensives Feature über städtische Einsamkeit. (mp3)



Krieg im Kopf (Deutschlandradio Kultur, 2016)
Lou Brouwers spricht mit Kriegsveteranen. Über ihre Erfahrungen, seelischen Verletzungen und wiederkehrende Traumata. Ein behutsames Feature, das ganz von seinen teils bedrückenden O-Tönen lebt. (mp3)



Eine Jugend am Ende der DDR: Wo wir zu Hause waren (MDR, 2009)
Lotta Wieden gibt in ihrem Interview-Feature den Erfahrungen jener Menschen aus der ehemaligen DDR Raum, die den Mauerfall als Kinder und junge Jugendliche erlebt haben - und also zu jung waren, um sich in ein kritisches Verhältnis zu ihrem Land zu setzen. Entsprechend irritierend erlebten sie die Wendezeit - mit langfristigen Folgen. (mp3)

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